Geschichten verbinden

Ein Buch, viele Geschichten und ganz unterschiedliche Menschen dahinter. Mit Andreas Tebbe teile ich nicht nur die Seiten einer Anthologie, sondern auch die Leidenschaft fürs Schreiben. Zeit, ihn ein bisschen näher kennenzulernen.

Gemeinsam zwischen denselben Buchdeckeln

Im Gespräch mit Andreas Tebbe

Lieber Andreas, wir sind beide mit Geschichten in der Sommer-Anthologie 2025 von Thomas Opfermann vertreten. Wie bist du zu diesem Projekt gekommen?

Ich hatte einfach wieder Lust zu schreiben. Das entsteht bei mir häufig aus einem spontanen Impuls heraus. Gleichzeitig mag ich es, Anregungen von außen zu bekommen, beispielsweise durch Ausschreibungen.

Deshalb schaue ich regelmäßig auf verschiedenen Portalen nach aktuellen Schreibprojekten. Ich glaube, es war die Autorenwelt, auf der ich damals die Ausschreibung von Thomas Opfermann entdeckt habe.

Beim Thema Sommer hatte ich ziemlich schnell eine Sommerwiese vor Augen. Ich habe mich hingesetzt, angefangen zu schreiben und bin diesem ersten Impuls gefolgt. So ist die Geschichte entstanden.

Was reizt dich besonders am Schreiben von Kurzgeschichten?

Meine Faszination für Kurzgeschichten begann eigentlich schon in der Schule, als wir im Deutschunterricht Kurzgeschichten gelesen und interpretiert haben. Mich hat damals schon beeindruckt, wie viel in einer Geschichte stecken kann, obwohl auf den ersten Blick gar nicht so viel passiert.

Das reizt mich bis heute: die Verdichtung. Auf wenigen Seiten Charaktere entstehen zu lassen, Emotionen zu vermitteln und eine Handlung zu erzählen, ohne viel ausschmücken zu müssen. Es geht darum, den Kern einer Geschichte zu finden.

Ich spiele auch gerne mit Wendungen und unterschiedlichen Bedeutungsebenen. Das muss nicht immer der klassische überraschende Schluss sein. Manchmal reicht eine kleine Verschiebung der Perspektive, durch die das zuvor Gelesene plötzlich eine ganz andere Bedeutung bekommt.

Natürlich mag ich auch ausführliche Erzählungen. Aber beim eigenen Schreiben reizt es mich besonders, mit wenigen Worten möglichst viel auszulösen.

Welche Themen, Stimmungen oder Genres ziehen dich beim Schreiben an und was fasziniert dich daran?

Ich bin gar nicht auf ein bestimmtes Genre festgelegt. Mich interessieren vor allem Geschichten, die aus ganz alltäglichen Situationen entstehen und dann plötzlich eine andere Richtung einschlagen.

Das kann eine Visitenkarte sein, eine Badewanne, ein Anrufbeantworter, ein Kinderbild oder eine zufällige Begegnung. Dinge, die eigentlich völlig gewöhnlich sind. Mich reizt dieser kleine Riss in der Selbstverständlichkeit. Wenn der gewohnte Weg zum Kiosk plötzlich anders verläuft, weil auf einmal ein Tor offen steht, das sonst immer geschlossen ist.

Meistens habe ich am Anfang nur ein Bild oder eine ungefähre Vorstellung. Dann setze ich mich hin und schreibe los. Die eigentliche Handlung entwickelt sich oft erst dabei. Es ist ein bisschen so, als würde ich beim Schreiben selbst durch die Räume meiner Geschichte gehen und nach und nach entdecken, was sich darin befindet.

Viele Ideen liefert natürlich auch das wirkliche Leben. Mein Sohn lebt mit einer Behinderung, und durch ihn hat sich mein Blick auf vieles verändert. Dinge wie Leistung und Erfolg, die mir früher wichtig erschienen, haben heute oft einen anderen Stellenwert. Ich glaube, dass solche Erfahrungen auch beeinflussen, worüber ich schreibe und welche Geschichten mich beschäftigen.

Gibt es etwas, das deine Leserinnen und Leser unbedingt über dich wissen sollten – oder vielleicht lieber nicht?

Vielleicht, dass man sich von meinen Geschichten kein allzu ernstes Bild von mir machen sollte. Im Alltag bin ich eigentlich immer für einen lockeren Spruch zu haben, auch wenn ich mir über viele Dinge ziemlich viele Gedanken mache.

Und was man vielleicht lieber nicht wissen sollte? Ich bin manchmal ziemlich chaotisch. Wer glaubt, dass ein Versicherungsvertreter besonders ordentlich und durchstrukturiert sein müsste, sollte vielleicht besser nicht meinen Schreibtisch sehen.

Woran schreibst du gerade und wo können neugierige Leserinnen und Leser mehr über dich und deine Texte erfahren?

In den letzten Wochen habe ich tatsächlich wieder viel mehr geschrieben. Es gab zwischendurch auch längere Phasen, in denen ich gar nicht zum Schreiben gekommen bin. Mit der Selbstständigkeit und dem Familienleben bleibt dafür manchmal einfach wenig Zeit.

Ich habe mich in letzter Zeit von verschiedenen Ausschreibungen und Literaturwettbewerben inspirieren lassen und auch einige Geschichten eingereicht. So sind unter anderem ein Krimi, eine Geschichte über meinen Versicherungsalltag und eine Weihnachtsgeschichte für eine weitere Anthologie von Thomas Opfermann entstanden. Aktuell arbeite ich an einer Geschichte, in der es um Trauer und den Umgang mit dem Tod geht.

Auf meiner Autorenhomepage www.tebbe-schreibt.de findet ihr mehr über mich und mein Schreiben. Dort habe ich auch eine kleine Auswahl meiner Kurzgeschichten veröffentlicht, die ihr direkt lesen könnt.

Lieber Andreas, vielen Dank für das interessante Gespräch und die Einblicke in deine Schreibwelt. Ich wünsche dir weiterhin viele inspirierende Ideen und spannende Geschichten!




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